Die Geschichte des Tagebaus Welzow-Süd: Lausitzer Braunkohleabbau im Wandel der Zeit
Der Tagebau Welzow-Süd in der südlichen Niederlausitz ist einer der bedeutendsten Braunkohletagebaue Deutschlands und ein Synonym für die industrielle Geschichte der Region Brandenburg. Seit über einem Jahrhundert prägt der Braunkohleabbau die Lausitzer Landschaft und das Leben der Menschen vor Ort.
Frühe Anfänge im 19. Jahrhundert
Die Geschichte der Braunkohleförderung bei Welzow begann bereits 1866, als die Grube Clara I den Abbau auf der Welzower Hochfläche aufnahm. Damals wurde im sogenannten 1. Lausitzer Flöz noch im Tiefbau gearbeitet – in kleinen, oft unangemeldeten Gruben. Die geförderte Braunkohle diente zunächst der lokalen Energieversorgung und wurde in einfachen Verfahren verarbeitet.
Der moderne Tagebau entsteht
Der heutige Tagebau Welzow-Süd hat seine Wurzeln in den 1950er Jahren. 1957 begannen erste Rodungs- und Planierarbeiten, 1959 startete die Entwässerung des Abbaufeldes durch Entwässerungsstrecken. Der eigentliche Aufschluss des Tagebaus erfolgte am 19. November 1962. Die erste Kohle wurde am 14. November 1966 für das Gaskombinat Schwarze Pumpe gefördert – ein Meilenstein für die Energieversorgung der DDR.
Technische Meisterleistung: Die F60-Abraumförderbrücke
Mit zunehmender Abbautiefe wurde moderne Großtechnik erforderlich. 1969 begann die Montage der weltweit ersten 60-Meter-Abraumförderbrücke, die Ende 1972 in den Probebetrieb ging. Diese monumentale Konstruktion, heute als „F60“ bekannt, gilt als liegendes Eiffelturm und ist ein beeindruckendes Zeugnis ingenieurtechnischer Leistung. 1977 wurde die Förderbrücke um eine Zubringerbrücke ergänzt, um den steigenden Abraummengen gerecht zu werden.
Das 2. Lausitzer Flöz: Herzstück der Förderung
Im Tagebau Welzow-Süd wird das 2. Lausitzer Flöz abgebaut, das in 90 bis 130 Metern Tiefe liegt und eine Mächtigkeit von 10 bis 16 Metern aufweist. Die Braunkohle hat einen Heizwert von etwa 9.000 kJ/kg bei einem Wassergehalt von 56 Prozent. Im Jahr 2020 wurden 15,8 Millionen Tonnen gefördert – diese Menge versorgt hauptsächlich das Kraftwerk Schwarze Pumpe sowie die dortige Brikettfabrik.
Soziale Folgen: Umsiedlung von Dörfern
Der Braunkohleabbau hinterließ tiefe Spuren in der Siedlungsstruktur. Bis 2011 mussten 17 Dörfer dem Tagebau weichen, darunter überwiegend sorbische Ortschaften wie Haidemühl, Gosda, Groß Buckow und Kausche. Diese Umsiedlungen prägen die kollektive Erinnerung der Region und stehen symbolisch für den Preis der Energiegewinnung.
Proteste und Kohleausstieg
In den 2010er Jahren rückte der Tagebau verstärkt in den Fokus von Klimaschützern. Im Mai 2016 besetzten über 1.600 Aktivisten der Bewegung „Ende Gelände“ das Gelände und blockierten die Kohleförderung. Im Januar 2021 gab die LEAG bekannt, auf die Öffnung des umstrittenen Teilfeldes II zu verzichten und die Dörfer Proschim, Karlsfeld und weitere zu verschonen.
Ausblick: Ende einer Ära
Die LEAG plant, den Braunkohleabbau im Tagebau Welzow-Süd bereits 2030 zu beenden – acht Jahre vor der gesetzlichen Frist von 2038. Damit endet nach fast 170 Jahren eine prägende Epoche der Lausitzer Geschichte. Die Rekultivierung und Flutung werden eine neue Seenlandschaft schaffen, die der Region touristische Perspektiven eröffnet.
Der Tagebau Welzow-Süd steht exemplarisch für den Strukturwandel in der Lausitz – von der Kohle- zur Energieregion der Zukunft.
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